Am Mittwoch, dem 22.4, besuchten wir das ehemalige Staatssicherheitsgefängnis, die Gedenk- und Bildungsstätte in der Andreasstraße in Erfurt.
Los ging es um 8:30Uhr am Westbahnhof, nach pünktlicher Abreise kamen wir gegen neun am Erfurter Bahnhof an. Nach kurzer Frühstückspause begann die Führung durch das ehemalige Gefängnis.
Zu Beginn erhielten wir eine Einführung über die Geschichte des Ortes. Anschließend konnten wir uns die noch erhaltenen Zellen anschauen, dabei wurde deutlich, unter welchen Bedingungen, die die Inhaftierten leben mussten. Durch verschiedene Maßnahmen wurden die Einsassen eingeschüchtert, isoliert und orientierungslos gemacht. Beispielsweise waren die Fenster undurchsichtig, sodass kein Kontakt mit der Außenwelt oder Orientierung möglich und das Zeitgefühl stark eingeschränkt war. Die Individualität der Insassen wurde durch deren ständig wechselnden Nummerierung und einheitlicher Kleidung unterdrückt. Anhand von ständiger Überwachung, teils sogar nachts, wurde ihnen auch der Letze Rest an Privatsphäre genommen.
Die Zellen wurden sich von vier bis sechs Menschen geteilt. Zwar gab es in den meisten Zellen ein eigenes Klo und Waschbecken, jedoch war dies sowohl vom Gang aus als auch von den Insassen in der Zelle vollständig einsehbar.
Anschließend besuchten wir den Museumsteil der Ausstellung und lernten mehr über die Vorgehensweise der Staatssicherheit sowie über die Gründe der Verhaftungen in der DDR. Dazu zählten unter anderen Ausreiseanträge stellen, versuchte Grenzübertritte, politische Graffiti, „staatsfeindliche Hetze“ oder kritische Meinungsäußerungen gegen den Staat. Dabei wurde deutlich, dass die Gründe für eine Verhaftung oft sehr geringfügig waren und dennoch harte Konsequenzen nach sich zogen. Obwohl sich alle Betroffenen in diesem Gefängnis nur in Untersuchungshaft befanden, waren die Verhörmethoden zusätzlich zu den Haftbedingungen so belastend, dass viele Gefangene unter Druck Aussagen machten, die später vor Gericht gegen sie verwendet wurden.
Ein besonderer Teil der Exkursion war das Zeitzeugengespräch. Dabei berichtete ein ehemaliger Inhaftierter über seine persönlichen Erfahrungen und seinem persönlichen Grund der Inhaftierung. Dies ermöglichte uns einen personenbezogenen Einblick in die Haftbedingungen und machte die zuvor erhaltene Informationen besonders anschaulich und real.
Durch die Exkursion konnten wir unser Wissen über die DDR und das System der Staatssicherheit vertiefen. Besonders eindrucksvoll war die Erkenntnis, wie stark die Stasi in die privaten leben der „normalen Leben“ der Bürger in der DDR vordringenden konnte und wie „geringfügig“ die Gründe der Verhaftung sein konnten.
I., T. u. A.
