Gegen das Vergessen – Zeitzeugengespräch mit Lili Keller Rosenberg

Lili Keller Rosenberg ist elf Jahre alt, als im Oktober 1943 die Feldgendarmerie an die Tür der Familie hämmert. Gemeinsam mit ihren Eltern und ihren beiden jüngeren Brüdern lebt sie zu dieser Zeit in der nordfranzösischen Stadt Roubaix. Noch heute erinnert sie sich genau an diesen Tag. Am nächsten Tag wollte die Familie den Geburtstag der Mutter feiern: „Wir hatten alles vorbereitet, und Papa wollte einen Kuchen und Blumen für den großen Tag kaufen.“ Mit diesen Erinnerungen begann Lili Keller Rosenberg am heutigen Dienstag ihr Zeitzeugengespräch in der neuen Turnhalle der Jenaplan-Schule Jena. Schüler*innen der Jahrgänge 10 bis 13 hörten einer beeindruckenden Zeitzeugin zu, die bis heute unermüdlich gegen das Vergessen und die Verfälschung der Geschichte kämpft.

Sehr persönlich und eindrücklich berichtete Lili Keller Rosenberg von ihrer Verfolgung als jüdisches Kind, von Verhaftung und Deportation und davon, was diese Erfahrungen für sie und ihre Familie bedeuteten. Dabei richtete sie den Blick immer wieder auf die Gegenwart. Ihre Erinnerungen sind für sie mit einer klaren Botschaft verbunden: Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Gerade junge Menschen möchte sie mit ihrer Geschichte erreichen und dazu ermutigen, wachsam zu sein und Haltung zu zeigen.

Die Schüler*innen und Lehrer*innen der Jenaplan-Schule begegneten heute einer Frau, die ihnen Geschichte aus eigener Erfahrung nahebrachte und zugleich deutlich machte, warum Erinnern und das Eintreten für Menschlichkeit und Demokratie auch heute unsere Aufgabe sind.

Eine Begegnung, die sicher noch lange nachwirken wird.

M.B.